Das nachbarschaftliche Leben in der Dorfgemeinschaft

Bis  zum  Lebensende  körperlich  und  geistig  fit  bleiben:  Dies  wünschen  sich  alle Menschen. Oft geht dieser Wunsch in Erfüllung. Doch da ist auch die Angst, im Alter pflegebedürftig und geistig eingeschränkt zu sein. Diese Angst ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Denn etwa 1,4 Millionen Menschen in der Bundesrepublik sind an Demenz erkrankt – mit steigender Tendenz –, denn die Menschen werden heute immer älter.

Fachleute schätzen, dass sich die Zahl der Erkrankten bis 2050 verdreifachen wird, wenn nicht bald der Durchbruch in der Prävention und Behandlung gelingt. Menschen mit einer Demenz stellen für ihre Familien und für die professionelle Altenpflege eine große Herausforderung dar. Um einen Menschen ganzheitlich wahrzunehmen, muss man auch die Umgebung, in der er lebt, ganz wahrnehmen.

Deshalb gilt für uns, das zwischenmenschliche Milieu (Grundhaltung/Kommunikation)  und  die  Bereiche  Organisation  (Abläufe,  Prioritäten,  Zuständigkeiten),  und Architektur konsequent im Sinne der Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und einer möglichen Lebensqualität für sie zu gestalten.

Das nachbarschaftliche Leben in der Gemeinschaft bietet für 80 Menschen mit unterschiedlich ausgeprägter Demenz eine familiäre Wohnform. Die einzelnen, eingeschossigen Häuser sind in ihrer Größe gleichwertig.

Es leben 16 Bewohner/-innen zusammen in einer Wohneinheit. Dies schafft Ver-
trautheit und gibt Sicherheit. Dieses Wohngruppenprinzip erleichtert zusätzlich Zugang in die Quartiersgemeinschaft.

Jede Wohngemeinschaft hat über einen vorgelagerten Gang einen unmittelbaren, ebenerdigen Zugang nach draußen, wie auch eine Verbindung zu den anderen Häusern. Bequeme Bänke laden zum Ausruhen und Verweilen ein. Die Natur wird auch hier zum Element der Erinnerungen an „Daheim“ und an frühere Zeiten.

In den einzelnen Wohneinheiten befinden sich ausschließlich Einzelzimmer mit rollstuhlgerechtem Bad. Innerhalb der einzelnen Einheiten ist die offene Wohnküche die „lebendige Mitte“ – der Mittelpunkt, in dem sich das „Leben abspielt“ – analog zum außerhalb gelegenen Mittelpunkt, dem bekannten, lebhaften Dorfplatz. Hierdurch wird, wie im normalen Leben, die Trennung zwischen Wohnen und Arbeiten betont.

Das alltägliche Leben in Form häuslicher Geselligkeit und hauswirtschaftlicher Verantwortung findet innerhalb der Wohngruppen statt. Am großen Tisch wird in der Wohnküche  gekocht,  gearbeitet,  gelesen,  gespielt  und  erzählt.  Zum  „Arbeiten“ und „Werken“ verlässt man sein „eigenes Heim“ und kann die vielfältigen Möglichkeiten des Dorfzentrums individuell nutzen.

Das jeweilige Wohnzimmer bietet angenehme Möglichkeiten der Entspannung und des Rückzugs. Hier können auch Gäste und Angehörige empfangen werden. Bequeme Sessel und Sofas laden zum Verweilen und Ausruhen ein.
Die Zimmer sind über einen kurzen Flur an die „Mitte“ angeschlossen. Jede Be-
wohnerin und jeder Bewohner betritt zuerst den Flur und nimmt unmittelbar das Gruppengeschehen  wahr.  Die  natürliche  Neugierde  bewirkt,  dass  die  Bewohnerinnen  und  Bewohner  sich  zur  Gemeinschaft  hin  orientieren  und  das  Bedürfnis entwickeln, daran teilzunehmen. Das Raumkonzept vermittelt eine häusliche und familiäre Atmosphäre, in die sich jeder nach Wunsch einbringen kann. Die Rolle der Wohnküche als Mittelpunkt wird unterstrichen – zum einen durch die zentrale Lage und die freundliche Farbgestaltung – zum anderen durch die Möglichkeit, in der Gemeinschaft zu kochen und aktiv an den Vorbereitungen teilzunehmen. Die ansprechende Möblierung, bei der moderne und alte Möbel angenehm kombiniert werden, tragen zu einer guten Atmosphäre bei.

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